Informationen und Hilfe für Stalking Opfer

Sie sind nicht alleine!

Das Phänomen Stalking hat viele Gesichter und Facetten (und wird manchmal auch als Liebeswahn bezeichnet), dessen sich Betroffene oft gar nicht bewusst sind. Bereits mehrfaches Nachstellen ohne direkte Kontaktaufnahme fällt in die Sparte Stalking. Leider bleibt es häufig nicht beim heimlichen Beobachten, sondern äußert sich in wirklich strafbaren Handlungen wie Nötigung, Körperverletzung oder gar psychischer Gewalt. Penetrantes Belästigen und Terrorisieren kann sogar soweit führen, dass Betroffene sich komplett aus der realen Welt zurückziehen und sich verstecken. Und genau das gilt es zu verhindern.

Stalking im Alltag

Verfolgung, Belästigung und Terrorisierung von Mitmenschen

Was viele Menschen nicht wissen, Stalking ist eine unkontrollierte Art von Liebe, teilweise auch Wut oder gar Hass, die sich später zu einer Besessenheit entwickelt. Viele Stalker erkennen irgendwann die Grenzen zwischen „Gefühle zeigen“ und einer Straftat nicht mehr, erkennen auch fremde Gefühle nicht und merken nicht, dass ihre Taten nicht gut ankommen. So kann ein ehemaliger Partner, ein Arbeitskollege, ein flüchtiger Bekannter oder auch ein komplett Fremder zum Opfer werden. Sind diese Rollen verteilt, so beginnt nicht selten monatelanger Psychoterror. Aus Monaten werden Jahre, Betroffene lernen damit zu leben, verändern sich und lassen niemanden mehr an sich heran.

Aber: Das muss nicht so bleiben. Gegen Stalking kann man sich wehren!

Woran erkennt man Stalking?

Werde ich gestalkt oder fühlt es sich einfach nur komisch an? Vielen Betroffenen fällt es schwer zu beurteilen, ob es sich um Stalking handelt oder der Gegenüber einfach nur „nett“ sein möchte. So taucht zu Beginn häufig ein unangenehmes Gefühl auf, wenn der Stalker so gar nicht auf ein „Nein“ oder auf eine Absage zu reagieren scheint. Klar ist, dass vorübergehender Liebeskummer oder ein Streit noch kein Stalking sind. Halten Verfolgungen, Beobachtungen oder Nachstellungen jedoch längere Zeit an, so spricht man von Stalking.

Einige Beispiele für Stalking:

Der Begriff „Stalking“ stammt aus der englischen Jägersprache und bedeutet so viel wie „anpirschen“ oder „anschleichen“. Inzwischen wird der Begriff sowohl im Englischen als auch in der deutschen Sprache als Umschreibung für eine fortgesetzte Verfolgung, Belästigung oder Bedrohung einer anderen Person verwendet. Eine allgemeingültige Definition des Stalking gibt es allerdings nicht und seine Erscheinungsformen sind vielfältig.

  • Zahlreiche telefonische Anrufe zu merkwürdigen Zeiten auf der Arbeit oder in privatem Umfeld. Und das obwohl man bereits mehrmals darauf hingewiesen hat, dass keine weiteren Anrufe gewünscht sind
  • Nachrichten mit Anspielungen oder gar Drohungen auf dem Anrufbeantworter
  • Ständige Beleidigungen oder Verleumdungen
  • Häufige, zufällige Treffen in der Öffentlichkeit „zufällig über den Weg gelaufen…“, bewusstes Warten auf die gestalkte Person
  • Geschenke und Liebesbriefe, welche sich nach und nach in Beleidigungen oder Drohungen verwandeln
  • Sachbeschädigung am eigenen Eigentum
  • Cyberstalking durch ständige Mails

Stalking ist ein dynamischer Prozess, der sich entsprechend dem Verhalten von Opfer und Täter entwickelt. Ab und an eskalieren solche Fälle abrupt und plötzlich, es kommt zu schweren Körperverletzungen oder Tötungsdelikten. Leider wenden sich – überwiegend Frauen – nur selten an die Polizei, wenn sie merken es wird ein wenig zu viel. Immerhin handelt es sich vielleicht um einen ehemaligen Partner, der einem mal etwas bedeutet hat. Vielleicht wünschen Sie sich aber auch nur, dass es einfach endlich aufhört? Dann sind gute Fachberatungsstellen wie diese eine erste Anlaufstelle.

Wer stalkt?

Die Mehrheit aller gestalkten Personen kennen ihren Täter, denn nicht selten handelt es sich um Ex-Partner, einen unglücklich verliebten Arbeitskollegen oder jemanden aus der Nachbarschaft. Seltener vermerkt sind Fälle, in denen sich beide Personen völlig fremd sind. In Amerika, England, Kanada, Australien und Belgien gehört das Stalking in das Genre „Straftat“. Immerhin handelt der Stalker – seltener auch die Stalkerin – vorsätzlich, mit böswilliger Absicht und wiederholt. Bei der betroffenen Person erzeugt dieses Verhalten sichtbar und nachweislich Angst, sie fürchtet um das eigene Leben und um das ihrer Mitmenschen. Aus diesem Grund wird in vielen Ländern bereits früh gegen Stalker vorgegangen, während hierzulande noch ein paar Hürden dazwischenstehen. Sie sehen also, nicht nur Stars und Sternchen sind vom Stalking betroffen, auch völlig normale Personen erleben derartige Vorfälle. Sogar rund 12 Prozent aller Deutschen werden im Laufe ihres Lebens mindestens einmal gestalkt. Die Täter in der Regel männlich, sogar rund 85% aller Fälle. In nur rund 9% aller Fälle handelt es sich um unbekannte Stalker und um die große Frage nach dem „Warum ich“? Immerhin Letzteres kann bei den meisten Stalkingfällen aufgeklärt werden, die Motive ähneln sich meist.

Macht und Kontrolle

Fakt ist, dass Stalking nichts mit Liebe zu tun hat. Vielmehr geht es um die Ausübung von Macht oder Kontrolle, weswegen häufig Narzissten oder Menschen mit ähnlichen Persönlichkeitsstörungen zum Stalker werden. Für sie gibt es oft nichts Schlimmeres, als die Kontrolle über jemanden zu verlieren. Eine unerwartete – für den Narzissten oft wirklich unerwartet und völlig unverständlich – Trennung führt zu etwaigem Verhalten. Natürlich kann es sich auch lediglich um fehlende Aufmerksamkeit handelt, wie gesagt, Stalking hat viele Gesichter. Wichtig ist, sich zu trauen, dem bösen Spiel ein Ende zu bereiten. Oft genügt schon ein kurzer Schuss vor den Bug, um den Stalker in die Schranken zu weisen. Dabei muss es nicht zu langen Strafverfahren oder Anzeigen kommen, in vielen Fällen genügt es bereits, Stellung zu beziehen und dabei Hilfe von außen in Anspruch zu nehmen.

 

Stalking — Wenn Liebe zum Wahn wird