Re: Prozess


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Abgeschickt von Stefanie am 19 Mai, 2000 um 19:48:29

Antwort auf: Prozess von anonym am 20 Maerz, 2000 um 13:17:31:

: Ich bin auch ein Opfer und so froh, diese Page entdeckt zu haben (Dank Stern), denn ich dachte immer, so etwas wie mir passierte gibt`s doch gar nicht. (Es glaubte mir auch lange Zeit niemand) Kurz und gut: Meine Geschichte geht seit 2 Jahren: Belagerungen rund um die Uhr, Telefonterror, Wohnungseinbrüche, Beschädigungen am Auto und zuletzt 2 x Mordanschlag. Die Person (eine Frau, so wie ich) war mir unbekannt, sie hatte wohl mal als Teilnehmerin in einem von mir angebotenenen Kurs teilgenommen. Seit dem 2. Mordanschlag (Nov.`99) sitzt sie in der Psychatrie (redet dort ausschließlich über mich oder gar nicht) und wartet auf den ihr zugeteilten Platz in der Forensyk/Göttingen. Sie ist im übrigen einschlägig vorbestraft. Eine lange Geschichte. Es wird demnächst ein Prozess vor dem Landgericht folgen. Meiner Rechtsanwältin war solch ein Fall auch bis dato unbekannt. Ich bin nun auf der Suche nach Prozesstipps.
: - Welche Anträge sind zu stellen, um mich für den Rest des Lebens vor ihr zu schützen?
: - Ist es sinnvoll Schmerzensgeld einzuklagen oder hat man dann dadurch wieder Kontakt zu der Täterin?
: - Soll ich verlangen, daß ich nicht im Raum sein muß wenn sie aussagt, oder ärgert man sich anschließend? Gehört das mit zur eigenen Verarbeitung?
: Danke für Antworten.

Ich bin Pfingsten 1998 opfer einer Vergewaltigung (sexueller Mißbrauch im Schlaf) durch einen langjährigen Verehrer geworden - also in dem Sinne kein Stalkingopfer, aber Opfer eines Mannes im Liebeswahn.
In wenigen Tagen findet der zweite Prozeß statt - und einige Ratschläge kann ich vom Ersten geben.
Ob man im Raum bleiben sollte, hängt davon ab, was man für Bedürfnisse hat. Ich hatte im ersten Prozeß das Bedürfnis seine verlogene Darstellung zu hören, muß jedoch sagen, daß mich das, was ich hören mußte, emotional sehr mitgenommen hat. Es hat für mich persönlich neue Fragen und Probleme aufgeworfen (sogar Gefühlsverwirrungen wie Mitleidsansätze!!, die Frage: hat er es wirklich nicht besser gewußt, glaubt er wirklich er hätte mir "damit" einen Gefallen getan ???)... Andererseits war mir klar, daß mich die Erzählungen von Freunden (die mich bei dem Prozeß begleitet haben) nicht befriedigen würden.
Ich würde an Ihrer Stelle, die Aussage der Beschuldigten erst einmal in der Akte lesen und nach Möglichkeit bei ihrer Aussage nicht anwesend sein (besonders wenn sie ein sensibler Mensch sind). Vergessen sie nicht, was ich vergessen habe: Der Angeklagte muß nichts sagen, was ihn belastet - Er hat das "Recht" zu lügen !! und dementsprechend zusammengereimt - meist vom Anwalt - ist auch die Aussage.
Mein Täter wurde nahezu GAR NICHT befragt - dafür wurde mein ganzes Leben auseinandergenommen und meine Person in den Dreck gezerrt.... Ein grausamer Prozeß voll Unmenschlichkeit und Perversität. Doch ich habe immer noch die Hoffnung, daß so etwas eine ausnahme ist.!
Wenn es sie zu sehr belasten würde, überhaupt mit dieser Person konfrontiert zu werden, erkundigen sie sich, ob eine Komfrontation vermieden werden kann. (m Falle von Vergewaltigungen ist dies angeblich möglich - ich bin ja "nur" Nebenklägerin - Kläger ist der Staat)
Richter legen jedoch viel Wert darauf, die Reaktion eines Angeklagten bei der Aussage des Opfers sehen zu können - WAS ICH PERVERS FINDE !!!
Es ist sehr anstrengend vor einem Menschen, der einem so viel Leid zugefügt hat, auszusagen. Bei dem nächsten Prozeß möchte ich jedoch genau DIESE Situation dazu nutzen, dem Täter zu sagen, was er mir angetan hat und was ich dazu sagen möchte...
Warum kein schmerzensgeld?? Die "Trennung" von einem solchen Menschen geschieht innerlich - nicht durch Kontaktlosigkeit (was bei Ihnen natürlich lebensnotwendig ist, aber keine Wunden heilt)
Ich wünsche Ihnen alles alles Gute und das sie es schaffen, die Folgen dieser Tat bei der Täterin zu lassen! Ich wünsche Ihnen ein glückliches Leben ohne Qualen und Einschränkungen aufgrund der Taten, wünsche Ihnen die nötige Kraft dazu und alles Gute für Ihren Prozeß
S.
P.S.: Ich habe nicht meine richtige E-mail-Adresse angegeben aus Sicherheitsgründen - werde jedoch häufiger diese Seite besuchen (in kürze mit einer offiziellen/sichereren Adresse)




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