Re: Ritt auf dem Tiger


[ Antworten ] [ Ihre Antwort ] [ Forum www.liebeswahn.de ]

Abgeschickt von Manfred am 20 Maerz, 2000 um 14:52:40:

Antwort auf: Ritt auf dem Tiger von Briareos am 17 Maerz, 2000 um 15:57:25:

: Hallo Manfred, hallo Karin und an alle anderen Interessierten und Betroffenen. Die Formulierung des „Ritt auf dem Tiger“ trifft die Sache sehr bildhaft. Es steht mit großer Sicherheit keine kriminelle oder böswillige Absicht hinter diesen Verhalten. Diese kann ich beim besten Willen nicht bei mir und auch nicht bei den anderen Postern erkennen. Es geht wohl tatsächlich um die gleiche Herkunft der Gefühle wie die der Liebe, wenn es nicht sogar die selbe ist. Nur ist die Fähigkeit der Emotionen eine Ablehnung zu akzeptieren und sich zu lösen stark vermindert oder nicht existent. Eine Neuorientierung wird unbewußt sofort abgelehnt. Was man auch nicht mit seinem Bewußtsein erzwingen kann. Ich habe selbst in der gesamten Zeit einiges an Beziehungen und One-Night.Stands gehabt. Wobei die „Beziehungen“ i.d.R. nur 1-2 Monate anhielten, da man, nach dem der Rausch des Fremden und Unbekannten verflogen war, festgestellt hat, daß diese Person „es“ definitiv nicht ist. Dieses hat Manfred auch sehr gut geschildert: “Die Gefühle, die normalerweise bewirken, sich an jemanden binden zu können, sind in eine Sackgasse geraten, und werden auf eine Person projiziert, mit der der normale Umgang in einer Liebesbeziehung nicht möglich ist. Dadurch wird jede andere Gefühlsorientierung verhindert....Die Mächtigkeit der Gefühle ist auch der Ratio kaum zugänglich“. Somit ist es nicht einfach damit getan, die Stalker zu kriminalisieren und die Auswirkung per exekutive Gewalt zu unterbinden. Vielmehr muß ein Weg gefunden werden, den „Tätern“, welche selbst „Opfer“ ihrer Gefühle sind, sie aus ihrem Gefängnis zu befreien. Denn selbst die höchste Geldstrafe oder Androhung von Inhaftierung kann einen nicht auf ewig bannen. Leider muß ich selbst erfahren das unsere „feine zivilisierte Gesellschaft“ im Bezug auf die Psyche ein absolutes Entwicklungsland ist. Durch das trimmen der Individuen auf Wirtschaftlichkeit ist das Bewußtsein für die Emotionen fast gänzlich verloren gegangen. Eigentlich ist fast keiner imstande sich seiner Gefühle zu nähern oder sie wirklich zu erfahren. Die kurzen Berührungspunkte erinnern mich an einen Taucher, der nur an der Wasseroberfläche umher plätschert. Angst vor dem eintauchen in die faszinierende weite Welt die direkt unter Ihm liegt. Aus Angst vor dem Unbekannten, nicht greif- und messbarem. Aber auch weil ihm nie je geholfen wurde, einen Einstieg zu finden. Somit sind wir alle Neandertaler die jeder für sich selbst das Feuer und das Rad entdecken müssen, aber unsere Entdeckung nicht mitteilen und es somit nur sehr langsam weiterentwickeln, bis unser Tod dieses Wissen wieder auslöscht. Somit ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß pauschal ein Aufschrei nach gesetzlichen Regelungen losbricht, ohne sich dem Wesentlichen, dem was hinter diesem Verhalten steht, anzunehmen. Doch wie das Wasser in einen Stausee fließt, sammeln sich die Emotionen und brechen irgendwann unkontrolliert, ohne das die Auswirkungen noch rationell beurteilt werden können, aus. Hiermit will in keinem Fall das stalken u.a. rechtfertigen oder in Schutz nehmen. Es ist auch in meinen Augen absolut unsozial und eine massive Belastung für alle. Doch ist sie „nur“ eine Ausdrucksweise der Gefühle. Da man sich seiner beschränkten Möglichkeiten zur Änderung der Tatsachen durchaus bewußt ist. Erfahrungen wie sie Karin gemacht hat, daß Therapie, Psychopharmaka etc. keine Besserung oder gar „Heilung“ verschaffen, habe ich auch von einigen anderen Seiten gehört. So habe ich mich einige Zeit in einem „Selbstmord-Forum“ aufgehalten, wo sehr viele Teilnehmer ähnliches zu berichten hatten. Es waren einige darunter die auch an Liebeskummer litten, andere die aus verschiedensten Gründen unter starken Depressionen litten. Und das ist nun mal auch hier der Fall. Auch ich hatte mich des Suizidgedanken angenommen, da ich diesen Schmerz nicht mehr ertragen wollte, aber auch keinen Weg zur Linderung sehe. Auch habe ich die „Probestunden“ bei einem Therapeuten wahrgenommen. So offen ich auch darüber sprechen kann, ist dieser Bereich meiner Seele für mich und auch für andere fest verschlossen. Mit einer Ausnahme..... doch Sie will dieses Tor nicht durchschreiten.
: Ich will dieses Posting mit einem Text von Rabindranath Tagore beenden, der in wunderschöner Weise eine, meines Erachtens nach, erstrebenswerte Losgelöstheit umschreibt.

: >>Im Lichte dieses verschwenderischen Frühlingstages,
: mein Dichter, besinge die, die ohne zu zögern vorbeieilen,
: die lachend dahinfahren, ohne sich umzusehen, die aufblühen
: in einer Stunde taumelnden Entzückens und ohne Klage verwelken
: in einem Augenblick.<<

:
: cu, Briareos

Hallo, Briareos,

danke für diesen Beitrag. Ich möchte Dich auf meine Email-Adresse hinweisen um miteinander außerhalb des Forums noch mal in Kontakt zu treten. Denn es ist schon ein Outing vor einer Internet-Thema-Öffentlichkeit, was ich nicht unbeschränkt tun möchte.
Manfred




Antworten:



Ihre Antwort

Name:
E-Mail:

Subject:

Text:

Optionale URL:
Link Titel:
Optionale Bild-URL:


[ Antworten ] [ Ihre Antwort ] [ Forum www.liebeswahn.de ]