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Die bekannteste Typologie ist die der australischen Psychiater Prof. Paul E. Mullen, Michelle Pathé, Rosemary Purcell und Geoffrey W. Stewart, in der nach den Motiven, der Beziehung zwischen Opfer und Täter sowie der psychiatrischen Diagnose gefragt wurde. Die Forscher fanden fünf unterschiedliche Stalker-Typen:
The rejected Stalker (der zurückgewiesen Stalker)
Dieser Typ hatte eine mehr oder weniger enge Beziehung zu seinem Opfer (das kann z.B. auch eine Freundschaft unter Kollegen sein) und beginnt seine Verfolgung, nachdem die Beziehung zerbrochen ist. Motive sind in diesen Fällen Rache und /oder die Hoffnung auf Wiederherstellung der Beziehung. Mit dem Stalking hält der Täter die Beziehung zu seinem Opfer aufrecht, wenn auch im negativen Sinne. Gewalttätige Übergriffe und Drohungen sind in dieser Stalker-Gruppe überdurchschnittlich oft anzutreffen.

The intimacy Stalker (der intimitätssuchend Stalker)
Diese Gruppe von Stalkern hat den Wunsch eine Beziehung zu einer Person aufzubauen, die ihre Aufmerksamkeit erregt hat, oder von der sie glauben, sie sei ihnen bereits zugetan (liebe sie schon). Die angestrebte Beziehung muss nicht unbedingt sexueller Natur sein, es sind auch Eltern-Kind-gleiche oder Geschwister-gleiche Freundschaften möglich. Das Opfer wird stark idealisiert. Klare, vom Opfer ausgesprochene Zurückweisungen werden vollständig ignoriert und in ihrer Negation umgedreht und umgedeutet. Die Dauer der Verfolgung erstreckt sich häufig über einen sehr langen Zeitraum (Prominenten-Stalker). Oftmals sind hier Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen zu finden, die einsam und zurückgezogen leben.

The incompetent Suitor (der inkompetente Verehrer)
Den Typus des inkompetenten Verehrers kann man auch mit Möchte-gern-Freier beschreiben. Er zeigt eine geringe soziale Kompetenz, Selbstüberschätzung und wenig Einfühlungsvermögen für andere. Er ist unerfahren in der Anbahnung und Aufrechterhaltung von Beziehungen und ohne Selbstzweifel an der Berechtigung seines Tuns. In der Regel sucht er eher eine sexuelle Beziehung, die er mit Drohungen und Stalking-Verhalten erzwingen will. Er ist unfähig, Zurückweisung als solche zu verstehen. Wenn er mit seinem Verhalten nicht erfolgreich ist, löst er sich von seinem Opfer und sucht sich ein neues.

The resentful Stalker (der ärgergetriebene Stalker)
Diese Menschen sehen sich häufig selber als Opfer und entwickeln einen Groll gegenüber anderen Menschen oder Gruppen aufgrund einer persönlichen Auseinandersetzung, eines subjektiven empfundenen Unrechts (bevorzugte Opfer sind häufig in Berufsgruppen zu finden, die mit Menschen zu tun haben wie z.B. Rechtsanwälte, Richter, Ärzte oder Psychologen / Psychiater) oder eines inneren Konflikts, dessen Ursache weit zurückliegt und für den das Opfer stellvertretend als Projektionsfläche dient.
Diesen Menschen geht es darum, das Opfer in Angst und Schrecken zu versetzen und dadurch Leid zu verursachen.

The predatory Stalker (der Jagdstalker)
Die letzte von Mullen und Kollegen gefundene Gruppe ist immer männlich. Dieser Typ plant einen sexuellen Übergriff auf das Opfer. Er stalkt daher im Verborgenen, um unerkannt zu bleiben. Während des Stalkings erfährt er häufig ein lustvolles Gefühl der Macht und Kontrolle, teilweise auch mit voyeuristischer Befriedigung. Drohungen kommen in diesen Fällen relativ selten vor. Innerhalb der Stalker-Population ist dieser Typ eher selten.

Eine andere Typologie der englischen Kriminalpsychologen Dr. Lorraine Sherridan und Dr. Julian Boon, die für die englische Polizei entwickelt wurde, fand u.a. auch noch den Typ des Sadistischen Stalkers.

The sadistic Stalker (der sadistische Stalker)
Der sadistische Stalker sieht sein Opfer, das er meist nur flüchtig kennt, als Jagdobjekt. Ihm macht es Spaß, durch ein perfides Vorgehen, das oft im Verborgenen geschieht, Kontrolle über immer mehr Lebensbereiche des Opfers zu bekommen. Daraus bezieht er Lust und Motivation für sein weiteres Handeln.